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NEUE BILDER von CORNELIUS STAUDT im KÜNSTLERHAUS ZIEGELHÜTTE

Spiegelte die Landschaftsmalerei bei Cornelius Staudt einst Reisen, vorzugsweise nach Frankreich, Ungarn oder in den skandinavischen Norden, so zeugen seine jüngeren Arbeiten auf Bütten, wie er betont, von „inneren Reisen“. Und wohin führen diese? Ins „Homeland“, wie uns der Übertitel der in Mischtechnik von Aquarell, Zeichnung und Collage ausgeführten, Blätter verrät. Nur sollte man sich darunter kein zwangsharmonisiertes Wolkenkuckucksheim in Rosa vorstellen.

Zwar vermitteln die nahtlos sanften Farbverläufe, mal im warmen, mal im kühlen Spektrum, mit denen das Format als erstes besetzt wird, eine ozeanische Ruhe. Und eine sphärische Tiefe – bestehen sie doch aus bis zu 15 hauchfeinen Lasuren von Tuschefarbe. Doch sorgen zwei Sorten bereits bemalte, eingeklebte Papiere für markante, meist asymmetrische Schwerpunkt-setzungen. Zum einen sind das unregelmäßig gerissene Fetzen, die sich horizontal in die stillen Gestade schieben wie gebirgige Küsten und Inseln. Kreideüberzeichnung, hier zart und zaghaft mäandernd, dort wie ein Geprassel fallender Äxte und Pfeile, fügt ihrerseits naturhafte Strukturen hinzu und heftet die Fremdkörper ins Bild.

Zum anderen tauchen – und das ist neu bei Staudt – exakt rechteckig beschnittene Elemente auf, als kalkulierter motivischer Bruch. Als Landschaftszitat in der Landschaft, als Bild im Bild. Der Künstler spielt mit Perspektiv- und Wirklichkeitsebenen, mit dem Schwebezustand zwischen Gegenstand und totaler Abstraktion. Und er durchdringt die expressiven Kräfte, die man bisher mit ihm verband, mit Eingriffen einer geradezu konstruktiven Ordnung. Bildästhetik wird bei Cornelius Staudt derzeit hoch gehandelt. Wobei er, was das Collage-Prinzip betrifft, reiche Erfahrung aus einem anderen Gebiet mitbringt. „Meine Glaskunst“, stellt der ursprünglich zum Kunstglaser Ausgebildete, selber erstaunt, fest, „schwappt jetzt ganz schön in die Malerei hinein.“

Mit dem Ergebnis, dass alle landschaftlichen Anklänge zum Anlass werden für das Ideal der wohlaustarierten Komposition, in der das Vibrierende und Eruptive sich einbettet in den langen Atem der mit ungeheurer Geduld aufgebauten Partien. Cornelius Staudt, Romantiker der Jetztzeit, weil Malerei für ihn seit je „nicht zu trennen von Sehnsucht“ war, ist sich der psycho-spirituellen Wirkung bewusst, die ein gutes Bild haben kann. Weswegen hinter dem Ideal der wohlaustarierten Komposition dasjenige der wohlaustarierten Seele steht, zu der dieser Künstler dem Betrachter verhelfen möchte. Mag sein, dass es ja das ist, was „Homeland“ umschreibt.

Dr. Roland Held

 

2012_Staudt-Presse_M

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